Lennard Knells startet mit seiner eigenen Kfz-Werkstatt in die Selbstständigkeit
Plötzlich ist er sein eigener Chef
Von Tobias Vieth

Lennard Knells (24) vor seiner Werkstatt. Seit Januar ist er der Kopf hinter „Knells – Die KFZ Werkstatt“.
IBBENBÜREN. Dass Lennard Knells die Werkstatt hinter dem Autohaus der Familie einmal betreiben sollte, war schon länger geplant. Im September 2025, so hatte es sich die Familie ausgemalt, sollte er einsteigen. Die Meisterschule hatte er bereits im April 2021 absolviert, zuletzt arbeitete er als Meister bei KFZ Unnewehr in Westerkappeln. Und für Doris und Johannes Knells – die Inhaber des gleichnamigen Autohauses an der Ibbenbürener Straße in Laggenbeck – waren damit die Söhne allesamt irgendwie mit dem Familienunternehmen verbandelt. Johannes (27) und Thorben (22) im kaufmännischen Bereich des Autohauses, Lennard (24) als Kfz-Meister in der Werkstatt dahinter, die streng genommen an der Fuggerstraße 41 liegt.
Es kam zum Jahreswechsel ein wenig plötzlicher. Der bisherige Pächter der Werkstattimmobilie, KFZ-Technik Laggenbeck, rutschte Anfang November ins Insolvenzeröffnungsverfahren, die Immobilie fiel vor dem Ende des zehnjährigen Pachtvertrages leer. Was folgte, war Arbeit für die Familie – und zwar schnell und mit vielen Händen: renovieren, neue Logos und Schriftzüge, und auch alles andere unter Dach und Fach bringen.
„Knells – Die KFZ Werkstatt“ steht nun im Empfangsbereich, darüber ein „K“ als neues Logo. Zwei der Mitarbeiter des vorigen Betriebes sind geblieben, nun ist es an Lennard Knells, den Werkstattbetrieb neu wieder aufzubauen.
Warum macht der 24-Jährige sich selbstständig? „Weil man damit groß geworden ist“, antwortet er nach nur kurzer Denkpause. Er kennt es von den Eltern – und hat das Gebäude nun von der Familie gepachtet, ist Gesellschafter und Geschäftsführer seiner eigenen GmbH. Auch der Besuch der Meisterschule habe das Ziel gehabt, sich auf die Selbstständigkeit vorzubereiten. Verglichen mit seinem Vater Johannes ist er da ähnlich früh dran – der machte sich im Alter von 22 Jahren in einer alten Schmiede mit einer Werkstatt selbstständig, ehe man 2007 das kleine Autohaus an der Ibbenbürener Straße baute.
Den Werkstattbau dahinter gibt es seit gut neun Jahren. Er bietet mit acht Hebebühnen auf 600 Quadratmetern Platz für reichlich Autos, die zur Wartung und Reparatur kommen können. Zwei Mechatroniker in Vollzeit und eine Aushilfe gehören zum Team. Das soll selbstverständlich wachsen, ebenso wie der Kundenstamm.
Lennard Knells kalkuliert damit, dass angesichts der Preise von Neuwagen viele Fahrzeuge weiterhin häufig repariert werden. Auch – oder gerade – in Zeiten, in denen bei einigen Menschen der Euro nicht ganz so locker sitzt.
Die Synergieeffekte mit dem Autohaus der Eltern sind auch eingepreist. Dort werden Gebrauchtwagen angekauft und vertrieben, und die müssen durchgecheckt werden. Das sorgt für mehr Auslastung, auch wenn es derzeit noch Kapazitäten in der Werkstatt gibt. Und dass mit den Eltern auch erfahrene Unternehmer nebenan sitzen, ist in der Startphase ebenfalls recht praktisch.
Zum Betrieb gehört eine öffentlich zugängliche Waschanlage, der TÜV ist täglich im Haus, die Werkstatt kann sich sowohl um Wartung als auch Reparaturen kümmern – auch im Karosseriebereich. Auch auf E-Fahrzeuge sei Knells mit dem nötigen Hochvolt-Techniknachweis vorbereitet. Die brauchen zwar keinen Ölwechsel, leiden aber mitunter durch die sogenannte Rekuperation unter vergammelten Bremsen – wegen Nichtbenutzung.
Neben Privatkunden ist der Plan auch, den Stamm an gewerblichen Kunden zu erhöhen, weil das regelmäßige Einnahmen verspricht. Ausgelegt darauf ist der Betrieb, auch Kleintransporter passen auf die Hebebühnen. Das Areal des Autohauses und der angeschlossenen freien Werkstatt ist somit – auch wenn es sich um zwei getrennte Unternehmen handelt – nun komplett zurück in der Hand der Familie. Auch wenn alles für Knells ein bisschen schneller gehen musste als ursprünglich geplant.



